Stelle Dir vor, Du bist ein Blatt. Du hängst an Deinem Baum. Der Wind schüttelt an den Ästen und Du löst Dich. Du fällst. Sanft landest Du auf Wasser. An einer Quelle. Das Wasser trägt Dich hinfort. Lass Dich treiben. Folge dem Wasser.   Über Stock und Stein plätschert Dein kleiner Bach vor sich hin. […]

Stelle Dir vor, Du bist ein Blatt.

Du hängst an Deinem Baum.

Der Wind schüttelt an den Ästen und Du löst Dich.

Du fällst.

Sanft landest Du auf Wasser.

An einer Quelle.

Das Wasser trägt Dich hinfort.

Lass Dich treiben.

Folge dem Wasser.

 

Über Stock und Stein plätschert Dein kleiner Bach vor sich hin.

Kleine Rinnsale fließen hinzu, füllen ihn mit mehr Wasser.

Er wird stärker, kräftiger, schneller.

 

Reißt es an Dir?

Dann lasse los.

Das Wasser kann nur reißen, wenn Du Dich festhältst.

Lasse los.

Lasse Dich treiben.

 

Aus Deinem Bach wird ein Fluss.

Viele weitere Blätter treiben hier.

Manchmal trefft ihr euch.

Manche Blätter entschließen, sich dem Wasser entgegen zu stellen.

Sie halten sich fest.

Tun sich zusammen.

Bilden einen Damm.

Aber das Wasser reißt an ihnen.

Raubt ihnen Kraft.

Und irgendwann bricht der Damm.

Lasse los.

Folge dem Fluss.

 

Der Fluss, wächst, wird größer.

Er wird gestaut, begradigt, eingeengt.

Aber es ist Wasser.

Wasser findet seinen Weg. Immer.

Was geschehen soll, wird geschehen. Früher oder später.

Folge dem Wasser.

Treibe mit.

 

Die Mündung ist erreicht.

Der Fluss löst sich auf.

Er ist kein eigenes Ding mehr.

Er wird zu etwas Größerem. Gigantisch.

Wo geht der Weg hin?

Keiner weiß es.

Aber es wird passen.

Lass los.

 

Sei ein Blatt.

In einem Ozean von Möglichkeiten.

 

Beitragsautor: Verena